„Connection over perfection“ oder: Mein eigenes Strand Shooting

Die Location war traumhaft schön ( ein Strand im Abendlicht), unsere Outfits waren abgestimmt ( farblich zueinander passend, aber schön locker und nicht zu gleich) und wir (zumindest die Erwachsenen) waren hochmotiviert, schöne Bilder für meine neue Homepage zu machen. Soweit so gut. Mit Gummibärchen im Rucksack und Stativ unterm Arm zogen wir los.

Ich hatte eine schöne Stelle in den Dünen ausgekundschaftet, eine leichte Anhöhe mit Blick in den Sonnenuntergang, wunderschön und bestens geeignet. Leider hatten einige andere Fotografen exakt diese traumhafte Stelle ebenfalls auserkoren, um dort Sessions durchzuführen. Mhhhhhmmmmpf.

Nun gut. Das Stativ wurde an anderer Stelle aufgebaut. Der Kleine brauchte eine neue Windel. OK, kein Problem. Der Kinderwagen blieb im tieferen Sand stecken. Gut, lassen wir ihn hier. Der Große hatte keine Lust mehr und wollte ein Eis. Währenddessen versank die schöne, dunkelorange Sonne immer mehr am Horizont. Erkenne die Dramatik in diesem Satz, hahahaha. Die Sonne ging langsam unter, mein Puls ging hoch.

Während ich bei den Sessions mit „meinen“ Familien immer ruhig und gelassen bleiben kann und ständig eine neue Idee aus dem Hut zaubere, verstrich bei uns einfach seeeeehr viel Zeit bis zum ersten Foto. Ich gebe es zu: Meine Laune war nicht mehr so hochmotiviert wie am Anfang. Am Liebsten hätte ich mich verdoppelt: Eine Monika als Fotomotiv und eine als Fotografin. Stattdessen stellte ich die Kamera ein und wies meinen Freund an mit den Worten: DRÜCK EINFACH DRAUF. Statt gezielter Aufnahmen hoffte ich einfach, dass der Zufall und der Autofokus es schon richten werden und zumindest IRGENDETWAS dabei herauskommen würde… Mein Puls schnellte nochmals nach oben…

In diesem stressigen Moment habe ich mir dann irgendwann selbst gesagt, was ich gerne zu „meinen“ Müttern in Shootings sage: Bleib cool, lass einfach laufen. Die Kids toben? Gut, ich liebe Bewegung in Bildern. Die Kids rennen weg? Wir machen schöne Porträts von Dir. Die Kinder quetschen sich ins Bild: Nimm sie fest in den Arm und kuschel Dich hinein, das sind so schöne, intensive Momente! Embrace it.

So haben wir es dann gemacht. Mein Freund löste wie verrückt aus ( ich verdrängte die Angst vor unzähligen unscharfen Bildern…) und ich hab es einfach laufen lassen, wie es in dem Moment war und violá: Herausgekommen sind emotionale Bilder, die uns so zeigen, wie wir sind. Intensiv. Wild. In Bewegung. Die Kinder wuselig. Der Große am Ende glückselig mit seinen Gummibärchen. Mein Freund sehr erleichtert, dass ich wieder strahlte und meine Augen leuchteten beim Check der Speicherkarte.

Connection over perfection – einmal mehr habe ich bei der Nachbearbeitung der Bilder mein Motto im Kopf gehabt. Klar, die Bilder mit mir sind nicht so brilliant und scharf und technisch einwandfrei wie es mein Anspruch ist. Aber ich möchte sie dennoch auf meiner Homepage ( in der Rubrik „Über mich“ übrigens!) zeigen, denn so sind wir! Und so war der letzte Abend am Strand, als wir so gerne Familienbilder machen wollten….

Was ich Dir mitgeben kann: Ich leite Euch natürlich an in meinen Fotosessions und bin blitzschnell mit der Kamera in all den kleinen und großen Momenten dabei. Aber ich versuche nicht, „gegen“ die Kinder und ihre Lebhaftigkeit zu arbeiten. Am Besten ist wirklich, es fließen zu lassen und sich von den scheinbar perfekten Familienbildern im Kopf zu verabschieden. Wir sind nun mal nicht die Rama-Familie und ehrlich gesagt, wollen wir das auch gar nicht sein, oder? Ich möchte Bilder von Dir und Deiner Familie machen, die Dir in 20 Jahren erzählen, wie es sich „damals“ angefühlt hat. Die dir Tränen in die Augen treiben, weil Du Dich genau an den Moment erinnerst, an dem Dein damals Dreijähriger durch die Luft wirbelte. Oder Dein Baby sich in Deinen Schoß kuschelte…

Ich werde mich beim Anblick unserer unperfekt-perfekten Bilder immer daran erinnern, wie der Große glücklich durch die Dünen rannte und unser Baby trotz Müdigkeit tapfer versuchte, mitzuwuseln….

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